AKTUELL - 01.06.2010 - Der Rote Wald

01. 06. 2010
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Nach dem Workshop in Stanford bot mir einer der Studenten an, mich nach San Francisco ins Hotel zu bringen.

Vierzig Minuten Fahrt. Im Wagen fragte er mich, ob ich den Roten Wald gesehen hätte. Nicht ob ich dort „gewesen“ sei, sondern ob ich ihn „gesehen“ hätte. Ich sagte, ich sei müde. Unvermittelt nahm sein Gesicht Farbe an und er erklärte, dass ich unbedingt dort gewesen sein müsse. Er sprach es und wendete. Für einen Amerikaner eine ungewohnte Beharrlichkeit.

Ich gehe selten in den Wald. Mir wird dort immer traurig zumute und ich fühle mich aus irgendeinem Grund eingeengt. Der Rote Wald ist etwas anderes. Auf Russisch nennt man das Mammutbäume. Wir gingen schnell und wie es schien in eine bestimmte Richtung. Während er sprach, schaute er auf seine Fußspitzen. Er sagte nichts Neues, und folglich bekam ich nichts Neues zu hören, aber es geschah etwas Merkwürdiges.

Alle seine Einlassungen über technologische Entwicklungen und das Schicksal des Internet-Papstes schienen mir für einen Studenten aus Stanford reichlich trivial.

Er versuchte mich in ein Gespräch zu verwickeln, und in mir regte sich der Verdacht, dass er sich wichtig machen wollte.

- Alle, die ich in Stanford kenne, wollen die Welt verändern…

Ich gab zur Antwort, dass ich die Welt erhalten will, und dass unsere Wege folglich nicht dieselben sind. Wir lachten.

Er führte mich zu einem angeschnittenen umgestürzten Baumstamm. Ich traute meinen Augen nicht. Der Baum war 2500 Jahre alt!.. Und manche Jahresringe waren beschriftet.

Der Student redete weiter und ich las… 1347. In Europa wütet die Pest…

Wir haben einen Klub, er heißt „Die Zelle“, lauter erlesene Köpfe. Wir versuchen den Moment zu analysieren, in dem eine Entdeckung oder auch nur die Vorahnung einer Entdeckung von anderen aufgenommen wird, genauer gesagt, wenn die Trägerfrequenz (carrier frequency) der Entdeckung entsteht und sie der Aufnahme durch andere zugänglich wird, weil in diesem Moment … wie soll ich sagen … 1492. Columbus erreicht Amerika… - das ist kein Diebstahl, es ist komplizierter … hier wird eben besser gearbeitet … - darf man in diesem Wald eigentlich rauchen?.. - wir bringen praktisch die ganze Welt voran … und interessant ist noch der Moment, wenn die Entdeckung destruktiv wird und in schlechte (unfriendly) Hände gelangt … - Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung. 1776… - und das Nächste, womit wir uns in der „Zelle“ befassen, ist die Entwicklung von Programmen, die Aversionen gegen das Programm als solches auslösen; das ist praktisch eine Kopie des Programms, aber das ist alles nicht so einfach … - Goldrausch. 1848 … - eine der Aufgaben besteht darin, einen Computer zu entwickeln bzw. solche Elemente in einen Computer zu integrieren, die eine Reizung des menschlichen Biosystems verursachen und in der Folge zu einer Abtrennung führen, so dass die Informationsaufnahme nicht mehr ohne zusätzliche Anstrengungen möglich ist…

Am Eingang des Hotels angekommen gestand er, dass er im Wald immer viel redet, weil er die Stimmen des Roten Waldes hört, wenn er schweigt.

- Und was sagen sie?

- Ungefähr dasselbe, nur eben alles klar und deutlich, und als ob es schon gestern gewesen wäre. Gefährlich. Nochmals vielen Dank für den „Harlekin“. Have a good night.

 


 

Der „Black Dance“ - Clip aus den vorigen News ist die erste Skizze zum neuen DEREVO – Projekt „MEPHISTO WALTZ“. Bühnenbild: Maxim Issajev (AKHE). Im Mai haben Lena, Tanja, Alissa und Anton diese Arbeit in Mikhail Chemiakins Meta – Theater in Frankreich vorgestellt.

Dort ist die Hauptgestalt des Stückes entstanden – die VOGELSCHEUCHE! (Fotos von ihr gibt es nicht und wird es auch nicht geben).

Red Wood. Photo - Elena YarovayaAnton in the Red Wood, California. Photo - Elena YarovayaNot Black Dance... Photo - Elena YarovayaElena Yarovaya in MEPHISTO WALTZ. Photo - Mikhail Chemiakin
Red Wood. Photo - Elena YarovayaNot Black Dance... Photo - Elena YarovayaAnton at the Espresso bar on the Stanford University groundsAndrey, Sara, Mikhail, Maxim & Anton. Photo - Elena Yarovaya
Anton & Michael Hunter, Stanford University. Photo - Elena YarovayaTatyana Khabarova in MEPHISTO WALTZ. Photo - Mikhail ChemiakinNot Black Dance... Photo - Elena YarovayaMEPHISTO WALTZ. Photo - Mikhail Chemiakin
Lena, Tanya & Alisa in MEPHISTO WALTZ. Photo - Maxim IsaevSan Francisco. Photo - Elena YarovayaAnton Adasinsky in MEPHISTO WALTZ. Photo - Maxim IsaevLabrador dogs at the door to the Meta Theatre of Mikhail Chemiakin. Photo - Elena Yarovaya

Text: Anton Adasinskiy
Übersetzung: Rainer Jäckel
Foto: Elena Iarovaia, Maxim Issaev, Michail Schemjakin
Bilddesign: Elena Iarovaia

 

  1. Engin Says:

    рассказ с эффектом присутствия
    я будто бы тоже там побывал

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