DEREVO e-life

AKTUELL - 20.03.2017 - Ich bin gewachsen

20. 03. 2017, 01:33 | by DEREVO
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CLICK for MORE. Photo - Elena Yarovaya

Hallo,

Ich bin gewachsen. Ein echter Super Star, oder?
Ich spiele mein Solostück
Es heißt „Der Letzte Clown Auf Erden“
Achten Sie zum Beispiel auf alle die Großbuchstaben!

Anton Adasinsky. Photo by Elena Yarovaya

Auch Erwachsene und ernste Leute müssen dabei lachen
ungefähr so:

oder so:

Danach werde ich den Tänzern in Dresden ein paar Tanzleviten lesen
(Die Workshop-Infos gibt es hier »)

Und am 23./24. Mai gibt es wieder ein Workshop in Sankt Petersburg. Ich zeige dort den Zweiten Feind, der deutlich unheimlicher ist, als der Erste oder der Dritte.

Anton

 

DEREVOs Termine

22. - 25. März 2017, ERARTA Stage, St. Petersburg (RU)
Der Letzte Clown auf Erden // Tickets Online »

1. April 2017, Festspielhaus Hellerau, Dresden (DE)
INOUTside, Solostück von Makhina Dzhuraeva // Weitere Infos und Tickets »

3. April 2017, Drama Theater, Samara (RU)
Der Letzte Clown auf Erden // Tickets Online »

15. - 17. April 2017, Festspielhaus Hellerau, Dresden (DE)
ISLANDS // Tickets Online »

AKTUELL - 31.12.2016 - Happy New Year!

31. 12. 2016, 16:45 | by DEREVO
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HAPPY NEW YEAR 2017!!

DEREVO lebte durch 2016 erstaunlich glücklich
Mit einem Gefühl von Gesundheit und Leere im Kopf
Als Folge – stetiges Lächeln!

La Divina Commedia und Reflection kehrten zurück
Mandelstam in Moskau
Viele Dreharbeiten, Ferien in Indien und Spanien
Und noch so viel mehr

Wundervoller Dezember in Dresden.
„Der letzte Clown auf Erden“ von Anton Adasinsky
Premiere des Duetts von Makhina Dzhuraeva und Alexey Popov „More“
Die „KeinMondTag“ Aktion mit Pawel Semtschenko von AKHE

Vielen Dank an alle Freunde für ihre Unterstützung und die positiven Schwingungen

Anna Bogodist
Isolde Matkey
Igor Fomin
Grigory Schmidko
Andrey Bobylev

und allen!!!

Ein glückliches Neues Jahr!!

Text: Anton Adassinsky
Fotos: Katja Pietrusky, Roman Ekimov, Elena Yarovaya

 

Last Clown On Earth. Photo - Katja PietruskyKeinMondTag. Photo - Roman EkimovKeinMondTag. Photo - Roman EkimovKeinMondTag. Photo - Roman EkimovKeinMondTag. Photo - Roman Ekimov
Last Clown On Earth. Photo - Roman EkimovLast Clown On Earth. Photo - Elena YarovayaLast Clown On Earth. Photo - Roman EkimovKeinMondTag. Photo - Roman EkimovKeinMondTag. Photo - Roman Ekimov
Last Clown On Earth. Photo - Elena YarovayaLast Clown On Earth. Photo - Katja PietruskyLast Clown On Earth. Photo - Roman EkimovKeinMondTag. Photo - Roman EkimovLast Clown On Earth. Photo - Roman Ekimov
Last Clown On Earth. Photo - Katja PietruskyKeinMondTag. Photo - Roman EkimovKeinMondTag. Photo - Roman EkimovLast Clown On Earth. Photo - Roman Ekimov

 

 

NOW - 03.11.2016 - Wolfhound Age

03. 11. 2016, 17:51 | by DEREVO
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To name a despot as despot was always dangerous.
Nowadays it’s just as dangerous to name slaves as slaves.
R. Akutagawa
A Pygmy’s Proverbs (from the Russian translation by N. Feldman)

 

So…
We did it
Wolfhound Age
Without quotes
And the most powerful moment - meeting with the students from the Territory Festival workshops.
We sat in silence.
And I realised that it was possible
I could do it without abstraction and metaphysics
To say exactly:
Yes!
It was like that!
And it will be again - if you’ll believe what they spin about the history of the country.
And it will be again - while the minister of culture opens monuments to murderers.
And it will be again - while the country wanks and has an orgasm over the slogan “Might is Right”,
And there’s no control of drugs and thieves,
And somebody dares to publish the “Four Stout Hearts” and that putrid list of pseudo-cultural values keeps growing…
And it will be again - while sabre-toothed Cossacks spread their booze-breathed gabble, breaking into a theatre like it’s a field bog-house,
While quasi-orthodox thugs smash exhibitions and sponsor pickets and vandalism.

And it will be again.
And you’ll get up early in the morning, and will huddle with your ear to the door,
and listen as they drag someone down the stairs.
And I don’t want to imagine for how many years you will dream of the child crying in that apartment.

My dear young people!
With us, everything is clear. Bearded creators. Licking each other, rejoicing in mutual understanding.
That public letter was a first warning -
Some signed it, some didn’t
We forget such things.

But how about you?

Anton Adasinsky

English text editor: David Kemp
Photo & Video: Makhina Dzhuraeva

 

Wolfhound Age. Anton Adasinsky & Chulpan Khamatova. Photo - Makhina DzhuraevaWolfhound Age. Photo - Makhina DzhuraevaWolfhound Age. Photo - Makhina DzhuraevaWolfhound Age. Photo - Makhina Dzhuraeva
Wolfhound Age. Photo - Makhina DzhuraevaWolfhound Age. Anton Adasinsky & Chulpan Khamatova. Photo - Makhina DzhuraevaWolfhound Age. Photo - Makhina DzhuraevaWolfhound Age. Photo - Makhina Dzhuraeva

 

 

AKTUELL - 06.08.2016 - Das Wunder einfangen

06. 08. 2016, 21:58 | by DEREVO
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Ich habe mit den Proben zu „Wolfshund-Jahrhundert“ im Gogol-Zentrum angefangen.
Das Projekt ist Ossip Mandelstam gewidmet.
Chulpan Khamatova ist die Seele, ich bin das Chitin des Dichters. Mit dabei sind acht tolle Burschen aus der Truppe von Kirill Serebrennikov. Wir haben bereits in „Wer hat in Russland ein schönes Leben“ zusammengearbeitet.

Ich habe die ersten Probeaufnahmen zu meinem Soloprojekt „Das wohltemperierte Klavier“ gemacht. Meine Kenntnis der Über-Marionette kann ich hier in vollem Umfang anwenden. Lena Yarovaya hat 12 Solovorstellungen auf dem Mittelalter Kultur Festival in Dresden gespielt.

Wir fahren nach Edinburgh! Wozu? Ich weiß es nicht. Nein. Ich weiß es.
Dort, in Edinburgh, sind wir zu Hause; in den Straßen ist jeder Zweite ein Künstler, und die Barkeeper verstehen nicht weniger von Kunst als die Profis vom „Scotsman“ und vom „Herald“.
Warum wir diesmal „Once“ spielen? Die Frage ist nicht leicht zu beantworten.

Seit vier Jahren suchen wir nach etwas Fröhlichem für die Kinder – eine Aufgabe, die immer schwieriger wird. Die ernste, von Sorgen erfüllte Welt hat Kindern nicht viel zu bieten. So sind die Zeiten. Mit Trickfilmen aus den 50er und 60er Jahren kommt man auch nicht sehr weit. Ich will die Kinder ins Theater mitnehmen, in ein Märchen. Ein schönes und reiches…
Und noch mehr Lust habe ich SELBST auf einen guten Film. Aber da muss man lange suchen.

Vielleicht ist „gut“ nicht das richtige Wort. Na ja… Zumindest ohne Moralin. Kinder sind klüger als Erwachsene: Trinken ist nicht gut, Insekten sind Außerirdische, und die Galapogos-Schildkröte hat sich geopfert, um die Evolution zum Stillstand zu bringen…

Von der ersten Zeile, von der ersten Einstellung, vom ersten Ton an fühle ich, dass ein Stück von meinem Leben gleich aufgefressen wird… Oder… auf einmal fängt das Herz an zu schlagen, die Finger sprühen Funken, und eine fremde Seele legt sich wie eine Sauerstoffmaske über das Gesicht. Denn ich ahne, wie auch alle anderen, dass irgendwann alles gut wird. Und ich muss daran glauben, dass ich in diesen verborgenen Träumen nicht allein bin.

“Once” ist etwas, das für immer bleibt. Wie Robinson Crusoe, Gagarin, die Watte unter dem Tannenbaum, das Rattern der alten Straßenbahn, das Klopfen der Dominosteine im Hof…

Ein Lichtstrahl löst sich von meiner Brust, verwandelt sich in den Mond und steigt auf zu den Sternen, und dann fällt auf ihn ein Schatten! Das bin ich, ganz klein, wie ich auf einem Spielzeugkometen den Pfad des Mondes kreuze!
Und das könnte ich mir ewig ansehen.
Den ganzen August, jeden einzelnen Tag, werden wir das Wunder bei den Ohren packen.

Anton

Text: Anton Adassinsky
Übersetzung: Rainer Jäckel
Video: Andrey Gladkikh
Fotos: Makhina Dzhuraeva, Elena Imamova, Igor Fomin

 

well tempered clavier - photo proofs. Photo - Makhina DzhuraevaONCE... Edinburg Fringe 2016 - Fire Alarm. Photo - Igor Fominwell tempered clavier - photo proofs. Photo - Makhina Dzhuraevawell tempered clavier - photo proofs. Photo - Makhina Dzhuraeva
ONCE... Edinburg Fringe 2016 - Fire Alarm - Photo Elena Imamovawell tempered clavier - photo proofs. Photo - Makhina Dzhuraevawell tempered clavier - photo proofs. Photo - Makhina Dzhuraevawell tempered clavier - photo proofs. Photo - Makhina Dzhuraeva
ONCE... Edinburg Fringe 2016 - Fire Alarm. Photo - Igor Fomin

 

DEREVOs Vorstellungen

4.-29. Aug. 2016 (außer am 15. und 22. Aug.)
Edinburgh Festival Fringe

ONCE…

Weitere Infos und Karten »»

22.-28. September 2016
ERARTA Stage, St. Petersburg

LA DIVINA COMMEDIA

Weitere Infos und Karten »»

7. Februar - gewidmet Dima Tjulpanov - von Elena Yarovaya

08. 02. 2016, 02:24 | by DEREVO

see also / siehe auch / см. также: http://www.derevo.org/live/275

Aktuell - 31.10.2014 - Seite 8

31. 10. 2014, 12:04 | by DEREVO
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DEREVO - AKTUELL - 31.10.2014

Ich habe eine Woche in St. Petersburg verbracht.
Ein Rekord an Begegnungen und Gesprächen.
Alle Begegnungen betrafen die Organisation der Arbeit von DEREVO in St. Petersburg.
Ich war keine einzige Minute allein.
Es gab Treffen mit dem Kulturausschuss, mit Theatern, Regisseuren, Beamten, Studenten…

Zwei Tage habe ich mich ausgeruht, und jetzt versuche ich, mir über meine Empfindungen klar zu werden.

  1. Das war in irgendeiner anderen Welt. Mit dieser Welt hatte DEREVO nie etwas zu tun.
  2. Ich war während dieser Tage ständig in Gefahr
    • In der Gefahr, unabhängig zu erscheinen.
    • Der Gefahr, mich auf Kompromisse einzulassen.
    • Der Gefahr missverstanden zu werden. Der Gefahr, zu viel zu scherzen. Der Gefahr, das Privatleben einzusaugen, das aus jedem Gesprächspartner förmlich herausquillt.
    • Der Gefahr, beim Anblick der ganzen Aussichtslosigkeit der Pläne dieser Menschen herzkrank zu werden.
  3. Wenn man von Millionen beunruhigter Menschen umgeben ist, wird man selbst unruhig. Der Schlaf verließ mich. Whisky und Musik.
  4. Der Wunsch Staub zu saugen und die Schuhe zu putzen.
  5. Ausbrüche von Ärger auf Verkäufer und Taxifahrer, das kannte ich vorher nicht.

Ich habe mich weit aus dem Schützengraben gelehnt. Ich kann angeschossen werden.

Am letzten Tag kamen zwei Studentinnen, um sich zu verabschieden und sich für die Meisterklasse zu bedanken. Sie fragten, ob sie rauchen dürften.
Ich hatte nichts dagegen. Sie rauchten einen Joint und der Geruch zog aus dem Gedächtnis jenen fernen Morgen hervor, als ich im Kosmos erwachte. Es war 4 Uhr morgens, und durchs Fenster strömte von außen her ein Laut, der weder zu Leningrad, noch zur UdSSR, noch zu unserem morgendlich feuchten Hof gehörte… Ich erinnerte mich, wie ich zum Fenster ging und ganze 40 Minuten lang auf dem Fensterbrett sitzen blieb…

Es stellte sich heraus, dass mir der Richter meine 17 Jahre nicht angerechnet hatte. Ich fing von vorn an.

Und ich tat dasselbe!

Ich stellte einen uralten Combo-Verstärker ins Fenster und ließ „Wish you were here“ laufen…
Doch da geschah etwas Seltsames. Uns überkam sofort die Angst.
Ich drehte die Lautstärke zurück, doch die Angst blieb.
Ich machte alles aus, und ich musste das Fenster schließen, um mich zu beruhigen.
Ich zeigte den Mädchen ein Buch, das ich an jenem Abend gekauft hatte.
Ich hatte drei Jahre danach gesucht und hatte es gekauft!
Die erste kleine Auflage seines Buchs „Der Stein“ von 1913 hat Mandelstam auf eigene Rechnung herausgegeben.
300 kleine Büchlein, die meine Welt auf den Kopf gestellt hatten, und nicht nur meine… Wir lasen die Verse, und Pink Floyd löste sich ab und flog nach Hause…

Seite 8 sang ich ihnen vor.
Das ist alles.

Dann ein Taxi und das gewohnte „Könnten Sie das Radio ausmachen?“

 

 

Text: Anton Adassinsky
Übersetzung: Rainer Jäckel

Video:

Gedicht von Ossip Mandelstam
Musik komponiert und interpretiert von Roman Dubinnikov
Fotos verschiedener Autoren aus dem Archiv von DEREVO

 

 

Anton Adassinsky & The Positive Band auf BalconyTV

08. 10. 2014, 01:20 | by DEREVO
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mit
Anton Adassinsky
Nikolay Gussev
Alexei Rachov
Victor Wirvitsch
Igor Timofeev
Veronica Golubewa
Sascha Charinowa

Video und Foto : Nastasia Maslennikova, Eva Kuligina
Ton : Wsewolod Gakkel, Mark Titov
Schnitt : Nastasia Maslennikova, Eva Kuligina
Assistenz : Alexandre Senin, Olga Ogneva
Produzent : Seva Gakkel

In Zusammenarbeit mit 3MostA Hotel und Erarta Museum und Gallerien für gegenwärtige Kunst

siehe auch: http://balconytv.com/v/positive-band-his-eyes-balconytv

 

AKTUELL - 05.10.2014 - Pläne und Bilder

05. 10. 2014, 11:05 | by DEREVO
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Hallo zusammen,

im Oktober 2014 könnt Ihr Anton bei diversesten Events in Sankt Petersburg erleben:

  • Herbstschule der Neuen Bühne des Alexandrinskij Theaters, 7.-10. Oktober
  • Online im BalconyTV zusammen mit der Positive Band am 7. Oktober
  • Gespräch und Improvisationsabend mit Filmausschnitten im Angleterre Kino am 11. Oktober
  • Vortrag und Vorführung zum DEREVO-System in der Michail Chemiakins Stiftung am 13. Oktober

bis dahin kann man sich auch den Dokumentarfilm “Mit Regenbogen im Herzen” von Galina Korschikowa ansehen. Die seltenen Aufnahmen aus dem DEREVO-Archiv stammen von Andrey Gladkich.

 


 

Und hier sind noch die Bilder von unseren jüngsten Projekten:

  • “WEISSE FESTUNG” in Dresden, wo ich endlich die Hauptrolle spielen konnte, denn Pawel Semtschenko war woanders beschäftigt
  • “Die Pionierenparade” beim diesjährigen Wandertheater Festival in Radebeul: Hauptsache alle amüsieren sich!
  • “Midnight Balance” beim Radebeul Festival
  • Finale Grande des gleichen Festivals: zehn tausend Holzstücke und fünf tausend Zuschauer!

 

WEISSE FESTUNG 2014. Photo - A. RummlerWEISSE FESTUNG 2014. Photo - A. RummlerWEISSE FESTUNG 2014. Photo - Silvio DittrichWEISSE FESTUNG 2014. Photo - Silvio DittrichPioneers Parade. Radebeul Festival 2014. Photo - Anton Adasinsky
Pioneers Parade. Radebeul Festival 2014. Photo - Anton AdasinskyPioneers Parade. Radebeul Festival 2014. Photo - Anton AdasinskyMidnight Balance. Radebeul Festival 2014. Photo - Elena YarovayaMidnight Balance. Radebeul Festival 2014. Photo - Silvio DittrichMidnight Balance. Radebeul Festival 2014. Photo - Silvio Dittrich
Midnight Balance. Radebeul Festival 2014. Photo - Elena YarovayaMidnight Balance. Radebeul Festival 2014. Photo - Elena YarovayaMidnight Balance. Radebeul Festival 2014. Photo - Elena YarovayaFinale Grande. Radebeul Festival 2014. Photo - Igor FominFinale Grande. Radebeul Festival 2014. Photo - Igor Fomin
Finale Grande. Radebeul Festival 2014. Photo - Igor FominFinale Grande. Radebeul Festival 2014. Photo - Igor FominFinale Grande. Radebeul Festival 2014. Photo - Igor Fomin

 

Text: Anton Adassinsky
Foto: Elena Yarovaya, Silvio Dittrich, Anton Adasinsky, Igor Fomin, A. Rummler

 

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AKTUELL - 31.12.2013 - Ich grüße Euch, Ihr Götter…

31. 12. 2013, 15:53 | by DEREVO
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Ich grüße Euch, Ihr Götter!

Ich schreibe mit großem Anfangsbuchstaben, damit ich nicht ausgezischt werde und damit es zu Ende gelesen wird.

Ich grüße euch alle!

Ihr Listigen und Bärtigen, Glatzköpfigen und Unsichtbaren, Gemalten und Vergoldeten, Tönernen, Hölzernen und schwer Auszuspechenden.

Habe ich auch niemanden vergessen?

Ja… noch dieser eine, der Sonnengott Ra — der im «Joint» Geborene.

Ich sehe, ihr arbeitet, ihr gebt euch Mühe.
Kriege, Kriege, Tod, Hunger…

Und die Kriege werden nicht um eine Prinzessin oder um Landbesitz geführt, sondern angeblich euretwegen, ihr «Teuren»

Es klappt nicht bei euch…

Ihr solltet euch irgendwo auf einer kleinen Wolke treffen und eure Kräfte messen, oder die Länge eurer Zungen.

Wir aber werden weiter die Menschen glücklich machen, und ihr werdet uns nicht aufhalten!

Und ich werde euch überleben!

Und lastet das Unglück der Menschen nicht dem Teufel an!

«Die Rolle des Teufels wird stark übertrieben» - A. Sokurov

Ich werde euch überleben, ihr Pappnasen…

Viel Glück im Neuen Jahr, ihr Menschen!
Geht euren Angelegenheiten nach!
Ihr seid geboren um glücklich zu sein!
So SEID es!

Anton Adassinsky
und die Gruppe DEREVO

post scriptum

Ich bin oftmals danach gefragt worden…
Ich wollte nicht antworten.
Jetzt werde ich es sagen.
Als ich in der Faust-Verfilmung mitgespielt habe, habe ich manches erlebt.
Jeden Tag «Zeichen», «Begegnungen» und Gesichte…

Ich dachte, ich würde das nicht aushalten.
Geholfen haben mir Old Pulteney und Morton Feldman

Dann hat es aufgehört, aber Spiegel und das Geräusch des Windes machen mich immer noch nervös.

Deshalb schreibe ich in der ersten Person.
Obwohl ich davon auch nicht mehr ganz überzeugt bin.

 

 

“ONCE…” final bows have been filmed on 28 Dec. 2013 at the Festspielhaus Hellerau in Dresden

Kamera: Makhina Dzhuraeva
Tänzer: Anton Adassinsky, Elena Yarovaya, Tatjana Chabarova, Oleg Zhukovsky, Pawel Alechin
Ton: Daniel Williams
Licht: Falk Dittrich
Management: Isolde Matkey

 


 

Text: Anton Adassinsky
Übersetzung: Rainer Jäckel
Video: Machina Dschuraewa

 

NOW - 15.03.2013 - in the Middle of White

15. 03. 2013, 23:59 | by DEREVO
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I was quite full of wonder after my brief visit to Moscow to the Lumiere Gallery.

I hadn’t expected that so many people were still able to walk slowly and speak gently, to look into your eyes and even to listen to you without meddling with their iphones right in front of your face. I’m speaking of the visitors to the exhibition and to my gig there.

The exhibition Time of the Bells is a VERY GOOD one. Thank you to Nastya and all other organisers behind the scenes.

Meanwhile the DEREVO studio in Dresden has been turned into a filming location. A motion picture in progress is:

The Middle of White (working title)

Idea: Pavel Semchenko (AKHE)
Director: Pavel Semchenko
Cast: Anton Adasinsky (DEREVO)
Cameraman: Andrey Gladkikh
Assistant: Natalia Krymskaya
Producer: Pavel Semchenko

Big thanks to Elena Yarovaya and Isolde Matkey for their support with the boring administrative tasks.

We will tell nothing yet about the music. That will be a surprise.
Anton

(english text editor: Daniel Williams)

 

Pavel Semchenko & Anton Adasinsky.The Middle of White in progress.The Middle of White in progress.The Middle of White in progress.
The Middle of White in progress.The Middle of White in progress.The Middle of White in progress.The Middle of White in progress.
The Middle of White in progress.

 


 

LA DIVINA COMMEDIA - back in Dresden

Also the heavy metal performance by DEREVO is nearing:

29 – 31 March 2013 in Festspielhaus Hellerau, Dresden

The golden classic by DEREVO to be presented by the original cast & crew.

On stage:
Oleg Zhukovsky
Elena Yarovaya
Tatyana Khabarova
Anton Adasinsky

Sound: Dmitry Abramov
Light: Falk Dittrich

Tickets available On-Line via SAXTicket »

 


 

Bonus track for today’s NOW:

Anton Adasinsky performs his song Cat on Accordion from the Album DOPPIO live at Lumiere Centre in Moscow, 9th of March 2013. On stage are Alexandra, Veronika, Anton & Nikolay

Download the album DOPPIO here »

 

NOW - 19.06.2012 - School on Wheels Diary 2

19. 06. 2012, 23:08 | by DEREVO
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DEREVO has brilliantly performed MEPHISTO WALTZ last year at the OEROL.

But I was somehow uneasy. Not quite settled. Not entirely.

This is the island of DEREVO.

Every blade of grass knows us here.

But the guys didn’t go through that all yet.

They’ve got it delivered directly, the audience, the success.

MEPHISTO WALTZ is a show. Precise and ready-made body.

So now, one year later, they have to attend some other classes: the Street and the Body.

Just as we were doing it then.

In the sunlight and with no music playing back. Same costumes, same asphalt, same wind and a sand…

It just must be.

The steps of a big staircase should not be skipped.

This is a way of learning. I think about it rather often lately.

Anton

 

 

DEREVO School on Wheels @ OEROL 2012DEREVO School on Wheels @ OEROL 2012DEREVO School on Wheels @ OEROL 2012DEREVO School on Wheels @ OEROL 2012DEREVO School on Wheels @ OEROL 2012
DEREVO School on Wheels @ OEROL 2012DEREVO School on Wheels @ OEROL 2012DEREVO School on Wheels @ OEROL 2012DEREVO School on Wheels @ OEROL 2012

 

 

 

 

NOW - 16.06.2012 - School on Wheels Diary 1

16. 06. 2012, 16:23 | by DEREVO
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Meanwhile DEREVO School on Wheels has finished their performances at the ROBODOCK 2012 (you may remember the name from the huge project in Mannheim)…

On June 15th there’s a ten days long performances marathon on Terschelling island begins, at the OEROL festival.

A lot of things was started for DEREVO there some time ago. And a lot of things for the OEROL.

We’ll keep you up-to-date about the daily performances and improvisations.

You’ll see the dunes, the sea, the horses and the Moon and our guys among all these beautiful things…

Performers:

  • Nastya Ponomareva (Lunis)
  • Pavel Alekhin (Gleb)
  • Makhina Juraeva (Marat)
  • Anya Raicheva (Raja Ancheva)

We wish you and us were there…

 

 

DEREVO School on Wheels @ ROBODOCK 2012, Amsterdam (NL) DEREVO School on Wheels @ ROBODOCK 2012, Amsterdam (NL)

 

 

 

 

AKTUELL - 10.01.2012 - «Ich darf nicht…»

10. 01. 2012, 22:20 | by DEREVO
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Anton und DEREVO sind nach wie vor mit der Vorbereitung der Dreharbeiten zu dem Musikfilm „Doppio“ (Regie: Anton Adassinsky) beschäftigt:

Anton glaubt, das Drehbuch sei noch nicht fertig. Der Gitarrist I. Timofejew dagegen meint, dass der Clip „Zvezda“ („Der Stern“) alle Ideen des Films in sich vereint und dass die Dreharbeiten abgeschlossen sind…

L. Lejkin ist der Ansicht, dass es sich um einen mehrteiligen Film handelt, der genau mit der dritten Folge anfängt…

Alles in allem, die Arbeit ist im Gange.

Endlose Musikproben, Szenenfotos und Probedrehs… Wir hoffen, dass wir schon im März mit den Aufnahmen beginnen können, aber bis dahin – sehen Sie das hier…

Wir bitten um Ihre Aufmerksamkeit für den Clip „Zvezda“. Dazu gehören ein wichtiges Foto und ein langer Text, der dessen Wichtigkeit erläutert.

 

 

Verstehen Sie mich richtig. Ein neues Ding ist etwas Neues, ein altes – etwas Altes. Ein Ding kommt ohne Wärme in die Welt. Dann begegnet es seinem ersten Menschen. Es nimmt einen Teil seiner Wärme in sich auf, einen Teil seiner Seele. Später immer mehr und mehr. In die Liebe anderer Menschen getaucht, fängt es an zu funkeln, und der Kreis seiner Bewunderer wird größer.

Menschen und Dinge haben gelegentlich Streit, sie leben in Scheidung, sie picknicken, heiraten, begehen Verbrechen… Ein Ding kann von zu Hause weglaufen oder sich einen anderen suchen… Ein Ding kann strafen oder sogar töten…

Verstehen Sie mich richtig…

Es gibt lebendige Dinge, und es gibt tote Dinge. Wie auch Menschen. Jedoch wird ein toter Mensch begraben. Ein totes Ding dagegen lebt in der Welt fort bis zu seinem physischen Verschwinden.

Ein lebendiges Ding ist immer Teil eines Menschenschicksals gewesen. Selbst wenn es sich um ein Auto handelt oder um einen Salzstreuer. Anfang der 70er fingen die Menschen an, traurige Lieder zu singen. Und auf die Töne dieser Balladen setzten sich wie Vögel Ermüdung und Misstrauen. Misstrauen in vieles. Unter anderem in die eigene Arbeit. Warum sollte man ein gutes Ding machen? Wer erkennt den Unterschied?

Das kaltblütige und gesichtslose China hat uns mit toten Dingen überschüttet. Das Schreckliche ist, dass sie Kopien von echten Dingen sind, und dass in jedem davon ein kleiner Mensch mit Borstenbärtchen und verschlagenen Augen sitzt…

Die Musikinstrumente haben sich am längsten gehalten…

Ich suche alte Gitarren. Ich versuche sie zu erhalten und ihr Leben ein wenig zu verlängern. Ich weiß, dass der Tag kommt, an dem auf der Erde KEINE EINZIGE alte Gitarre mehr übrig sein wird. Aber bis dahin…

Eine Höfner „Congress“ aus den Fünfzigern. Damals eine preiswerte Gitarre. Und sie war anspruchslos in der Handhabung: sei am Strand oder beim Picknick… Darum sind ganz wenige von ihnen übrig geblieben.

Die Anzeige hatte wegen ihrer Kürze und Unentschlossenheit mein Interesse geweckt: „Alte Gitarre abzugeben“ Punkt. Und nur durch ein einziges Foto, auf dem im Vordergrund ein altes Futteral zu sehen war.

Es hatte den Anschein, dass der Besitzer ihr nicht nahe kommen wollte. Der Preis war offenbar aus der Luft gegriffen: 100 Euro. Wegen der Umrisse erriet ich, dass es eine Höfner war. Am Telefon bestätigte der Besitzer: dass es eine Höfner ist und dass die Gitarre 40 Jahre an der Wand gehangen hatte. Wir verabredeten uns.

In der Nacht, im Hausflur seines bayrischen Häuschens, fragte ich ihn, ob er wisse, dass diese Gitarre sehr viel mehr wert ist.

- Schon möglich, sagte er, aber das ist jetzt unwichtig.

Die hundert Euro steckte er nicht ein, er suchte einen Platz, wo er sie hinstecken konnte. Das Geld versengte ihm die Hände. Zusammen verstauten wir die Gitarre im Futteral. Sie wollte nicht hineinrutschen. Ich fragte ihn, ob er Gitarre spielt. Er antwortete mit lauter Stimme, so als sei es noch für jemand anderen bestimmt:
- Nein, aber mein Vater hatte es sich sehr gewünscht. Er hat sie mir vor sehr langer Zeit geschenkt. Dann berichtigte er sich: er hat sie für mich gekauft.

Er wollte, dass ich möglichst schnell wieder wegfahre. Ich wollte dasselbe.

Ich musste die Fenster im Wagen öffnen, so stark roch das Futteral nach Fäulnis. Diese Gitarre hatte niemals an der Wand gehangen! Sie war im Keller eingesperrt gewesen, seit endgültig feststand, dass aus dem kleinen Jungen kein Musiker werden würde. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt, und weder der Vater noch der Sohn hatten es übers Herz gebracht, sich von ihr zu trennen.

Sie begann zu funkeln, als ich die Schimmel- und Rußschicht von ihr entfernt hatte. Es stellte sich heraus, dass sie NEU war! Niemand hatte jemals auf ihr gespielt. Im Korpus bemerkte ich einen Zettel. Ich zog ihn hervor und blieb lange sitzen, weil ich nicht wusste, was ich damit anfangen sollte. Auf den zerknüllten Papierfetzen war von Kinderhand etwas gekrakelt: ein Junge hinter einem Gitter aus Saiten und die Aufschrift:

«Ich darf nicht».

 

Ich darf nicht

 

Text: Anton Adassinsky
Übersetzung: Rainer Jäckel

 

AKTUELL - 31.12.2011 - Guten Rutsch!

31. 12. 2011, 16:44 | by DEREVO
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Du schläfst.
Eingerollt, das Kissen im Arm, in die Decke gekuschelt.
Das ist die Nacht.
Und du schläfst,
Und niemand weiß, wer du sein wirst am klingenden Morgen.
Welches Panzerhemd du dir anziehst. Ob du Politiker sein wirst, eine treue Gattin, ein alter Mann und…
Du schläfst, und auch der schläft, den du sehen wirst im Fadenkreuz des Gewehrs, oder in einem Laden, mit einer Avocado in der Hand…
Und auch die, wegen der du die Bahn verpasst, liegt im Schlaf…
Wir sind Kinder in dieser Nacht
Und es ist nicht wichtig, von wie viel Reichtum du träumst, und wie groß das Bild ist über dem Bett. Und die zitternden Diener vor der Tür, die alle zehn Minuten den Kaffee austauschen, damit er nicht kalt wird.
Und für alle gibt es das eine Bett, das eine Haus, die eine Welt.
Wir schlafen, und, Herr, lass uns noch etwas ruhen, bis wir wieder in die Panzer des Lebens schlüpfen.
Ich weiß, dass ich aufstehe und werde, der ich sein muss, der ich sein soll, der ich bin aus Gewohnheit.
Aber jetzt ……… — kein Krieg, kein Verrat, keine Mühen.
Wir schlafen
Wie Kinder
Und
Auch ich will, so wie du
Lieben und Liebe empfangen.
Mögen Uns Jene Vergeben, Die Wir Am Tage Kränken Werden!
Auch sie haben diese Nacht geschlafen und mir Gutes gewünscht.
Ich schlafe.

Alles Gute im Neuen Jahr!

 

 

Anton Adassinsky & Daniel Williams. Foto: S. NeuhausFoto: Igor FominFoto: T. BelousovaDEREVOs erstes Plakat entdeckt in 2011 in Bukarest. Foto: Igor FominMEPHISTO WALTZ. Foto: T. Belousova
Aus dem DEREVO-Film &quote;DOPPIO&quote;. Foto: Anton AdassinskyFoto: Nastja PonomarewaAus dem DEREVO-Film &quote;DOPPIO&quote;. Foto: Nastja PonomarewaGuten Rutsch! Foto: S. Neuhaus

 

Text: Anton Adassinsky
Übersetzung: Rainer Jäckel
Foto: Anton Adassinsky, Igor Fomin, Nastja Ponomarewa, S. Neuhaus, T. Beloussowa
Video: Nastja Ponomarewa

 

AKTUELL - 08.10.2011 - Homo ludens

08. 10. 2011, 15:57 | by DEREVO
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Venice

Einen Tag vor der Zeremonie der Preisverleihung gaben Johannes Zeiler (Faust) und ich je 32 Interviews. Sokurow sogar noch mehr.

Jedes Interview begann mit dem Satz: „Was empfinden Sie nach der Entgegennahme des Goldenen Löwen?“

Beim ersten Interview zuckte ich zusammen. Was, haben wir ihn etwa schon?

- Nein, sagte der Reporter, aber wenn Sie ihn erhalten, dann fügen wir das ein, wenn nicht, schneiden wir es heraus. Wir wollen Sie doch nicht zweimal interviewen.

Also schilderte ich in den herrlichsten Farben, was für eine Freude das für uns sei. Zum Glück wusste noch niemand, wem der Preis überreicht werden würde.

Nach dem fünften Interview war ich es leid, ein und dasselbe zu wiederholen. Ich kam ins Stocken, wurde ärgerlich, ich warf den Reportern vor, dass sie ihr Handwerk nicht verstehen, und der Stadt Venedig die Hitze, - kurz gesagt, ich war müde. In der Mittagspause ging ich in mein Hotelzimmer und holte den Recorder, weil ich das Gefühl hatte, dass ich etwas sagen könnte, woran ich mich später nicht mehr erinnern würde…

 

 

Hier sind Auszüge aus den Interviews nach der Mittagspause.

Für das koreanische Fernsehen:

Sagen Sie, was war das Schwierigste während der Dreharbeiten?

Am allerschwierigsten war es, dem Regisseur 47 Tage lang in den Rücken zu starren, weil Sokurow für die Aufnahmen nicht nur einen riesigen Spiegel benutzte, sondern, um das Bild selbst richtig sehen zu können, einen Autorückspiegel auf der Schulter trug. Deshalb stand ich während der Regieabsprachen hinter Sokurow und unterhielt mich mit seiner Schulter. Das ist mir in Fleisch und Blut übergegangen, und als ich ihm in Venedig begegnet bin, habe ich ihn glatt nicht wiedererkannt.

Für eine Zeitung aus Weißrussland:

Sagen Sie, Anton, es gibt doch bei Filmaufnahmen immer Episoden, die nicht in die endgültige Fassung eingehen. Gab es solche Episoden auch im „Faust“?
Ja, selbstverständlich! Am Anfang des Films, in den ersten Sekunden, kommt Faust zu Tode. Sicher werden Sie über diesen kühnen Regieeinfall staunen. Faust wird im Spital unter einem Gestell mit einer Leiche begraben, die er soeben seziert hatte, um den Sitz der Seele zu finden. Sein Famulus Wagner versucht ihn herauszuziehen. Er holt eine unbestimmte Masse hervor, die keine Ähnlichkeit mehr mit Faust besitzt, etwas Aufgequollenes und Unappetitliches. Dabei handelt es sich jedoch um Faust, der mit dem Tod eins geworden ist. Eben das ist meine Figur, der Mephistopheles. Faust lebt in meinem Innern fort. Beim finalen Schnitt ist diese ganze Passage von 15 Minuten weggelassen worden. „Das ist auch so klar, meinte Sokurow, wozu sollen wir das durchkauen?..“ Am Anfang des Films stirbt Faust also nicht, aber ich behalte den geschwollenen Bauch.

Für eine japanische Zeitung:

Anton, können Sie uns sagen, was während der Dreharbeiten am gefährlichsten war?

Am gefährlichsten war die Kunst des Rückwärtsgehens. Besonders über die Lava in Island. Da der gesamte Film rückwärts gedreht wurde, vollführten die Darsteller alle physischen Handlungen in umgekehrter Reihenfolge (der Filmstreifen in der Kamera wurde dabei rückwärts gespult), um auf der Leinwand eine ungewohnte Form der Bewegung zu erschaffen. Deswegen ist ein längerer Abschnitt — die „Unterwasserschlacht“ um Margarethe — nicht in den Film eingegangen. Wir haben nicht gelernt rückwärts zu schwimmen, und Sokurow wollte keinen Kompromiss eingehen.

Ich weiß nicht mehr für wen:

Das Seltsamste war ein Tal in Island, wo wir im Boden in der Umgebung eines Geysirs hunderte Abdrücke menschlicher Gesichter sahen, so als hätte jemand das Gesicht mit Gewalt in den Boden gedrückt. An der Stelle des Mundes waren überall tiefe Löcher. Es stellte sich heraus, dass dies das berühmte Tal des Schnüffelns war. Jeden Sonntag legen sich hunderte Menschen mit dem Gesicht nach unten hin, um die heilkräftigen Schwefeldämpfe zu inhalieren. Das Aufnahmeteam legte sich ebenfalls nieder, jedoch, da sie es nicht gewohnt waren, begann der Chefkamera-mann bald zu haluzinieren. Er schlug vor, den Geysir rot zu färben. „Das würde zu Tarantino passen“, meinte Sokurow.

Für das italienische RAI Uno:

Die Friesischen Pferde, auf denen wir ins Inferno galoppieren, sind sehr teuer und selten. Sie sind auch dafür bekannt, dass sie Wörter nachsprechen können, in denen mehrere „G“ und „R“ vorkommen. Eines davon (es war meines) sagte — dank seinem tschechischen Pferdepfleger, einem Puschkin-Verehrer — vernehmlich „Grom gremit…“ und „Redkij dar…“

Für das griechische Fernsehen:

Anton, was war für Sie das Lustigste, woran Sie sich erinnern?

Es gab viel zu Lachen. In einer Drehpause bin ich in den Wald gegangen. Ich wollte mich entspannen. Ich ging ohne ein bestimmtes Ziel spazieren und fand zufällig eine riesige Pilzstelle. Lauter Steinpilze und Birkenpilze. Ich hatte keinen Korb dabei, stopfte mir die Taschen voll, zum Glück war das Kostüm weit geschnitten. Als ich genug Pilze hatte, wurde mir klar, dass ich vom Weg abgekommen war. Ich fürchtete, dass ich die Dreharbeiten aufhalten würde. Ich fing an laut zu rufen, auf Russisch und auf Italienisch… Eine tschechische Pilzsucherfamilie tauchte auf und rannte gleich wieder weg. Ich hatte vergessen, was für eine Maske ich hatte. Eine Viertelstunde später erschienen drei Polizisten. Ich erklärte auf Tschechisch, dass ein Film gedreht wird, und wies zielsicher in irgendeine Richtung. Dorthin brachen wir auf. Zwanzig Minuten später kehrten wir wieder um, wobei ich die Richtung angab, und wir verliefen uns endgültig. Der eine zog die Pistole, der andere forderte einen Hubschrauber an. Es dauerte eine Weile, bis der Hubschrauber eintraf. Es dämmerte bereits. Landen konnte er nicht, aber er flog vor uns her. Als wir voller Zecken und Ärger am Drehort anlangten, hatten mir die Polizisten nichts vorzuwerfen. Und ich war auch nicht verstimmt. Dem klugen Sokurow fiel nichts Besseres ein als mich zu fragen:
Wo haben Sie sie gefunden?
Im Wald, gab ich zur Antwort, weil ich an die Pilze dachte, da gibt es jede Menge.

Und am 10. September spielten wir wie nach Noten das Stück „Limousine. Teppich. Foto. Goldener Löwe. Foto. Limousine. Viel Whisky. Nacht. Venedig. Morgen. Heimreise“.

Der Rausch dieser Tage ist ziemlich schnell verflogen. Was bleibt ist der „Faust“. Und die für ein Festival ungewöhnlich lange anhaltenden Ovationen für den Regisseur Sokurow.

 

Text: Anton Adassinsky
Übersetzung: Rainer Jäckel
Video: Elena Iarovaia

 

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